Synagogenplatz Randegg

Der Synagogenplatz Randegg befindet sich an der Stelle, wo einst die Synagoge mitten in Randegg stand. Der Platz wurde nach einem breiten Planungs- und Beteiligungsprozess in den Jahren 2013 und 2014 neu gestaltet.

Historie der Neugestaltung des Synagogenplatzes
Bürgerbeteiligung und Planungsprozess
Bauphase
Mikwe
Einweihung
Namensliste

weitere Informationen zum Synagogenplatz finden Sie unter:

Jüdisches Museum Gailingen
Alemannia Judaica                  
(Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum)

Der Anstoß den Synagogenplatz in Randegg umzugestalten, kam von Dieter Fleischmann aus Randegg, der sich schon in vielerlei Hinsicht für die Geschichte der Juden in Randegg verdient gemacht hat. Diese Wunsch, den Platz schöner zu gestalten, wurde bereits im Jahr 2007 an die Gemeinde herangetragen.


Dadurch ausgelöst folgte ein Planungsprozess mit Beteiligung einer breit gefächerten Runde aus interessierten Bürgern, Vertretern des FöKuHei, der Eichendorffschule und der Verwaltung. Der Planungsprozess erfolgte im Laufe des Jahres 2008 und wurde zu Beginn 2009 abgeschlossen. Die Umsetzung stand eigentlich in 2009 an.
Aufgrund der schlechten Haushaltslage der Gemeinde musste die Planung wegen der fehlenden Finanzmittel ruhen und konnte nicht umgesetzt werden.
Als es der Gemeinde wieder finanziell besser ging, wurden die Haushaltsmittel im Jahr 2013 bereit gestellt und das Projekt wieder in Angriff genommen. 



Gleich Anfang 2013 wurde die Planung nochmals öffentlich diskutiert und sollte mit geringfügigen Anpassungen umgesetzt werden. Kurz vor dem Start der Arbeiten zeigte sich jedoch, dass die Mauer entlang der Otto-Dix-Straße, die das tragende Element der Planung, den eingefärbten Betonbalken mit den Namen tragen sollte, nicht mehr standfest war. Es war nun zuerst zu klären, ob die Mauer zu erhalten war oder entfernt werden konnte. Nachdem in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde der Rückbau der Mauer feststand, musste neu geplant werden. Auch dieser Planungsprozess wurde mit den seinerzeit Beteiligten abgestimmt.
Inzwischen sah das Denkmalamt nun doch Handlungsbedarf und die Grabungen mussten fachlich begleitet und dokumentiert werden. Hierzu erklärte sich der Kreisarchäologe Dr. Hald bereit. Unter seiner Leitung wurde die Mikwe mit Ritualbad gefunden und ausführlich dokumentiert und anschließend zur Sicherung für die Zukunft wieder überdeckt.

Die neue Planung sieht nun einen Balken aus Cortenstahl vor, der „anstoßend“ auf dem abgetragenen Gelände platziert ist.



Mikwe

Kreisarchäologe Dr. Hald bei der Vermessung des freigelegten Ritualbades.
Die sehr genauen und umfangreichen Aufnahmen bilden die Grundlage für die Erstellung der 3D-Ansicht (s.u.).

Lage der bei den Grabungsarbeiten gefundenen und dokumentierten Gebäudereste (gelb dargestellt) sowie des Gebäudeumrisses der ehemaligen Synagoge (braun) und des Balkens aus Corten-Stahl (braun).


Die bei den Grabungen freigelegte Mikwe in der 3D-Darstellung als Download
"Mikwe in 3D, HD (7,7 MB)" oder "Mikwe in 3D, optimiert für Smartphones" (4,1 MB)

Die 3D-Darstellung wurde aus den zahlreichen Aufnahmen vor Ort durch das Denkmalamt errechnet.

Sie kann auch im Jüdischen Museum in Gailingen in medialer Form besichtigt werden.

Quelle dieser Bilder: (c) Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart
(Fotos: J. Hald, 3D-Modell und grafische Bearbeitung: Ch. Steffen)


Die Einweihung des neu gestalteten Platzes fand am Sonntag, 9. November 2014 statt. Bürgermeister Dr. Michael Klinger begrüßte zahlreiche Gäste und erläuterte in seiner Eingangsrede kurz die Geschichte der neuen Platzgestaltung und bekräftigte, dass dies ein Ergebnis von vielen Beteiligten ist. Dieser Platz macht deutlich, dass wir nicht vergessen! Die Feier wurde umrahmt vom örtlichen Musikverein. Weitere Ansprachen erfolgten durch Architektin Thea Siegenführ vom Büro Siegenführ & Gassner, und dem Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Konstanz, Peter Stiefel. Anschließend sang Kantor Stern ein Gebet. Annegret Braun aus Stuttgart berichtete von ihrer Recherche über die Familie Kahn, die zuletzt in der Wohnung im Synagogengebäude gewohnt hatte, und ihr Treffen mit den Töchtern bzw. Enkelinnen. Abschließend bedankte sich Benjamin Nissenbaum, der ehemalige Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Konstanz, mit den Worten: "Dies war die würdigste Veranstaltung zum 9. November, die ich in den letzten 30 Jahren im Landkreis Konstanz erlebt habe."

Bericht aus "Gottmadingen aktuell" (141 KB)



Liste der Namen auf dem Balken:

Von den in Randegg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der national-sozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):

Caroline Bernheim, geb. Weil (1877)
Emil Biedermann (1907)
Isidor Biedermann (1901)
Rosa Biedermann, geb. Hilb (1868)
Else Bildstein, geb. Bloch (1891)
Bonna Bloch geb. Rothschild (1874)
Friedrich Bloch (1883)
Gertrud Bloch (1913)
Joseph Bloch (1882)
Lina Bloch, geb. Liebmann (1876)
Max Bloch (1894)
Salomon Bloch (1870)
Salomon Bloch (1901)
Sophie Bloch (1879)
Rosa Blum (1888)
Ester Cohn, geb. Jeselsohn (1910)
Simon Eichstetter I (1876)
Simon Eichstetter II (1879)
Erna Frohwein, geb. Guggenheim (1898)
Johanna Guggenheim, geb. Wolf (1876)
Salomon Guggenheim (1877)
Siegfried Guggenheim (1879)
Tony Guggenheim (1887)
Wilhelm Guggenheim (1885)
Leonie (Lea) Herzog, geb. Pikard (1882)
Karoline Rahel Hilb  (1876)
Else Kahn, geb. Jeselsohn (1910)
Erich Kahn (1903)
Mina Krautmann, geb. Eichstetter (1876)
Hedwig Lißmann, geb. Guggenheim (1905)
Juditha Löwenstein, geb. Weil (1882)
Rosa Marx, geb. Schwab (1888)
Alfred Nothmann (1920)
Hedwig Nothmann, geb. Bielschowsky (1892)
Martha Oppenheimer, geb. Rothschild (1901)
Florina Ottenheimer, geb. Bloch (1876)
Jenny Rechelmann, geb. Bloch (1877)
Marie Reutlinger, geb. Biedermann (1878)
Louis Eliser Rosenthal (1869)
Salomon Rosenthal (1866)
Adele Rothschild, geb. Guggenheim (1869)
Bernhard Rothschild (1922)
Berta Rothschild, geb. Lederer (1884)
Hermann Rothschild (1873)
Hermann Rothschild (1908)
Joseph Isidor Rothschild (1924)
Karl Rothschild (1925)
Moritz Rothschild (1887)
Moritz Rothschild (1892)
Recha Rothschild, geb. Rothschild (1892)
Lajzer Rzeszewski (1898)
Ernst Sander (1908)
Siegfried Schwab (1895)
Adele Weil, geb. Löwenstein (1885)
Dolzine Weil, geb. Harburger (1853)
Heinrich (Henri) Weil (1893)
Luise Weil (1885)
Mary Weil (1896)
Martha Wertheim, geb. Metzger (1896)

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